Bibel

Die 66 Bücher der Bibel wurden in einer Zeitspanne von rund 1500 Jahren von etwa 40 verschiedenen Autoren verfasst. Die sogenannte "Kanonisierung" der Bibel, wie sie uns heute vorliegt, geschah etappenweise. Es war ein Weg, oder anders ausgedrückt, ein Prozess. Dieser Prozess begann etwa 100 Jahre nach Christus und wurde im 4. Jahrhundert abgeschlossen.
Dies eine sachliche, wenn nicht sogar etwas trockene und theoretische Beschreibung der Bibel.

Die Bibel - also eine Bibliothek von 66 Büchern. Nicht mehr und nicht weniger?
Von Kind an wurde mir beigebracht, dass alles was in der Bibel steht, wahr ist. So wuchs ich im Glauben auf, dass die Bibel unfehlbar und heilig sei. Demzufolge etwa Gott und Jesus Christus gleichgestellt.

Heute bin ich der Meinung, dass einzig Gott (in seiner sog. Dreieinigkeit) heilig ist. Das Buch Bibel, aber ein Werkzeug ist, mit welchem wir uns durchaus auch mit *Fehlern und **Widersprüchen auseinandersetzen müssen. Diese Tatsache wertet für mich die Bibel aber nicht ab. Im Gegenteil, - sie wertet sie auf.

Ich staune über die Wirkung der Botschaft, welche die jahrtausende alten Bücher noch heute haben. Unzählige Menschen haben durch diese Botschaft den Sinn des Lebens gefunden. Unzählige Gemeinschaften, Kirchen und Strömungen sind entstanden. Dies durch ein Buch, welches von fehlerhaften Menschen geschrieben wurde und auch von fehlerhaften Menschen berichtet. Da muss doch mehr dahinter sein! Erwiesenermassen hat der christliche Einfluss viele Staaten in der Ausgestaltung des Zusammenlebens beeinfluss. Viele Gesetze - besonders in Demokratien sind indirekt, aber sehr wirkungsvoll von der Bibel beeinflusst.

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Christen die Bibel, oder auch nur einzelne Teile davon - verschieden interpretieren. Je nach Familienhintergrund, Kirche, oder Glaubensgemeinschaft, sind wir verschieden geprägt.
Ich habe schon folgende Aussage gelesen, welche ich gerne sinngemäss so wiedergebe:
"Jeder Bibelvers beinhaltet etwa 99 verschiedene zulässige Auslegungen. Die Hunderdste dieser Auslegungen ist wahrscheinlich die Richtigste. Aber diese kennt nur Gott.."

*
Fehler: insbesonders Übersetzungsfehler. Z.B. der Begriff äonisch wird als ewig übersetzt (daraus folgen Verständnis- und Auslegungsfehler)
** Widersprüche: unterschiedliche Rote Fäden, oder einzelne Bibelstellen: z.B. Jesus, der nicht Richter sein will zu anderen Stellen die aussagen, dass Jesus der Richter der Welt sein wird. Dies sind keine Fehler, sondern sie regen zum Nachdenken und Forschen an.

Literarische Gattungen der Bibel

Die Bibel, wie schon erwähnt - besteht aus 66 Büchern. Diese Bücher haben unterschiedliche literarische Stile. Theologen teilen die Bibel in 3 Hauptkategorien ein:
-Erzählungen (43%)
-Poesie (33%)
-Prosa Diskurs (24%)
Theologische Sprachwissenschafter/Innen verfeinern diese 3 Unterkategorien in ihren Forschungen in noch viel mehr literarische Gattungen.

Was ist die Aufgabe der Bibel?

Manuel Becker schreibt (in Jesus Reformation) dazu:
Viele Christen verstehen sich heute als Hüter der Bibel. Wir sollten die Bibel zwar lieben und sie jeden Tag studieren, aber wir sollten sie nicht anbeten. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Christen gefährlich nahe daran sind, die Bibel anzubeten, anstatt Gott anzubeten. Das Gleiche galt für die Pharisäer. Sie sahen sich als die Hüter der Heiligen Schrift. Sie wollten sie beschützen. Das brachte sie ständig in Schwierigkeiten mit Jesus. Einmal sagte Jesus zu ihnen: „Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin.“ (Johannes 5,39 NGÜ). Die Aufgabe der Schrift ist es, auf Jesus hinzuweisen! Die Bibel soll uns helfen zu erkennen, wer Jesus ist, was er vollbracht hat, und uns befähigen, ihm nachzufolgen. Wenn die Bibel nicht auf Jesus hinweist, dann wird sie missverstanden. Jesus ist die höchste Offenbarung Gottes. Jesus allein hat uns gezeigt, wie Gott wirklich ist. Jesus hat uns offenbart, wie ein gottgefälliges Leben aussieht. Gott benutzt die Bibel, um auf Jesus hinzuweisen. Jesus ist das Zentrum der Schrift. Gottes Atem, der Geist des Lebens, öffnet unsere Augen, damit die Bibel uns alles lehren kann, was wir wissen müssen. Auch wenn die Bibel nicht irrtumslos und unfehlbar ist, könnte man dennoch sagen, dass die Bibel „perfekt“ ist; aber „perfekt“ sollte so verstanden werden, dass die Bibel ihren Zweck vollkommen erfüllen kann: Jesus zu bezeugen. Auch wenn die Bibel Fehler und Widersprüche enthält, weist sie uns doch perfekt auf Jesus hin und lehrt uns alles was wir brauchen um ihm folgen zu können. Die Bibel ist ein kostbares Geschenk Gottes an uns, aber sie kann eine schädliche Waffe sein, wenn sie gelesen wird, ohne dass der Geist sie für uns lebendig macht.

VORSICHT

...BEI AUSSAGEN WIE: "DIE BIBEL SAGT!"

Diese Aussage höre ich häufig in Predigten, Diskussionen, Vorträgen und dergleichen. Ich lese sie in Büchern, Traktaten, Zeitschriften usw.
Ich habe erlebt, dass diese Aussage äusserst manipulativ sein kann. Weshalb ?
Ein Buch spricht nicht! Wenn schon, dann sind die Sätze der Bibel einer Person - einem - Autor zuzuweisen. Diese Sätze haben durchaus Wirkung. Gottseidank. Deshalb lese ich sie ja.

Die GEFAHR besteht, dass wenn jemand diesen obenstehenden Ausspruch benutzt, er in Wirklichkeit meint: meine Auslegung des gelesenen, oder zitierten Bibelverses ist die einzig richtige Möglichkeit! Dabei berufen sich die Erklärer auf alles mögliche. Z.B. die richtige Theologische Ausbildung, oder vom heiligen Geist selbst zu dieser Meinung geführt worden zu sein. Usw.

Deshalb kann ich nur empfehlen, sich auch als "Nicht-Theologe" mit "Selberdenken" über die Bibel zu informieren. Dabei hilft selbstverständlich auch die Theologie. Ich bin dankbar dafür. Gute Theologen, haben es nicht nötig, manipulative Aussagen zu machen. Sie können ihre "Schüler" mit Argumenten und einem guten Vorbild überzeugen.

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Wie man die Bibel liest. Einfache Erklärungen der verschiedenen Textgattungen. 5 - Minütiges Video der Plattform BibleProjekt. (Bild anklicken)

Nimm dir Zeit für diese Frohe Botschaft

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Schöpfung vs. Evolution

Harald Lesch über Glauben, Wissenschaft und sein Christ-Sein

Martin Benz zum Thema: Bibeltreue. Movecast vom Juni 2024

Durch all die 66 Bücher der Bibel ziehen sich sogenannte Rote Fäden.
Diese Roten Fäden können sehr unterschiedlich sein. Sie werden auch nicht von allen Menschen gleichermassen wahrgenommen.
Im Verlaufe meines Lebens sind mir zwei "Rote Fäden" in der Bibel besonders wichtig geworden. Ich nenne sie mal so:
-Roter Faden Nr. 1.: Gott liebt alle Menschen, ohne Ausnahme
-Roter Faden Nr. 2.: Alle Menschen werden schlussendlich Gott nicht nur anerkennen, sondern ihn auch anbeten

Prinzipien

Einige Theologen nennen diese Rote Fäden auch Prinzipien.

Was versteht man unter einem Prinzip?
In Wikipedia steht dazu als Einleitung folgendes: Ein Prinzip (Plural: Prinzipien; von lat. principium = Anfang, Beginn, Ursprung, Grundsatz) ist das, aus dem etwas anderes seinen Ursprung hat. Es stellt eine gegebene Gesetzmäßigkeit dar, die anderen Gesetzmäßigkeiten übergeordnet ist (der Begriff Gesetzmäßigkeit ist hier im Einzelfall ersetzbar durch Begriffe wie Gesetz, Naturgesetz, Regel, Richtlinie, Verhaltensrichtlinie, Grundsatz oder Postulat). Im klassischen Sinne steht das Prinzip zwingend an oberster Stelle... Darüber hinaus gibt es einen Begriff von Prinzip, der eine Verkettung von Gesetzen erlaubt ....Die konkrete Bedeutung ist kontextabhängig.

Diese - zugegebendermassen etwas theoretische - Beschreibung von Prinzipen finde ich besonders für das Auslegen der Bibel interessant. Ich bin dankbar dafür, dass es gebildete Theologen gibt, die dieses Prinzip der Bibelauslegung beachten und sorgfältig anwenden und somit einen guten und wichtigen Beitrag leisten, für ein offenes und kommunikatives Bibelverständnis.

In Gesprächen, Predigten, Büchern, Internet-Beiträgen usw. kommt das Thema Schöpfung und Evolution häufig zur Sprache. Ich stelle fest, dass es dazu, so etwas wie zwei Hauptmeinungen gibt. Entweder man ist ein Verfechter der Schöpfungslehre (Kreationist), oder man vertritt die Evolutions-These. Es gibt aber Wissenschaftler und Theologen, für die beide Lehren nebeneinander Platz haben. Dies gefällt mir.
Für mich ist es kein Problem, in beiden Thesen Gott als Schöpfer zu sehen. Schöpfungslehre schliesst Evolutionslehre nicht aus. Und Evolutionslehre schliesst Schöpfungslehre nicht aus. Wissenschaft, Forschung, Technik und Entdeckungen sind für mich Gaben Gottes. Gleich wie die Fähigkeit, Lesen und Schreiben zu können.
Im Folgenden einige Beiträge zu dieser Thematik:

Wie passen Evolutionstheorie und evangelische Theologie zusammen?
veröffentlicht 17.04.2023
von Rita Haering / H. Meisinger
Nach der Schöpfungs-Erzählung der Bibel ist die Welt in sieben Tagen entstanden. Die Naturwissenschaft hingegen schätzt, dass viereinhalb Milliarden Jahre zwischen der Entstehung des Planeten Erde und dem Aufkommen der ersten Menschen liegen. Was nun?
Als Voraussetzung für eine Antwort halten evangelische Theolog:innen fest, dass Glaubensvertreter:innen und Naturwissenschaftler:innen über unterschiedliche Fragen nachdenken:
Fragen des Glaubens:
Der Glaube orientiert sich an den Fragen „Worauf vertraut der Mensch? Wozu lebt der Mensch?“ Er antwortet: „So wie du bist, hat Gott dich gewollt und beauftragt, die Schöpfung zu bewahren.“ Damit sagt der Glaube etwas über den Urgrund und die Urbestimmung des Menschen aus.
„Und Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“
1. Mose 2,15
Fragen der Naturwissenschaft:
Die Naturwissenschaft dagegen versucht die Frage „Wie ist der Mensch entstanden?“ zu beantworten. Bisher geht man davon aus, dass sich der Mensch sowie alle anderen Lebewesen weiter entwickeln, wenn eine zufällige Veränderung der Gene (Mutation) dazu führt, dass sich ein Individuum dadurch noch besser an seine Umwelt anpassen kann als seine Artgenossen. Damit ist es ihm möglich, sich erfolgreicher fortzupflanzen und damit seine Gene an die nächste Generation weiterzugeben.
Glaube und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus
Die Vertreter:innen von Religion und Naturwissenschaft beschäftigen sich also mit unterschiedlichen Fragestellungen. Deshalb sind beide Erklärungsansätze nicht miteinander vergleichbar. So lautet die Antwort, dass auch Christ:innen gleichzeitig an einen Schöpfergott glauben und sich anhand der Evolutionstheorie die Entwicklung der Lebewesen erklären können. Glaube und Naturwissenschaft schließen einander nicht aus.
Die evangelische Kirche ermutigt zu einem Dialog mit Vertreter:innen der Naturwissenschaften, um die Weltwirklichkeit in ihrer Ganzheit besser verstehen zu können.
CHRISTLICHER SCHÖPFUNGSGLAUBE
In der Bibel gibt es zwei unterschiedliche Schöpfungsberichte, die davon erzählen, wie Gott die Welt geschaffen hat. In der älteren, zweiten Erzählung berichtet der Verfasser davon, dass Gott zuerst den Menschen aus Erde formte und ihm Leben einhauchte, erst danach ließ Gott Pflanzen sprießen. Diese Erzählung stammt vermutlich aus der Zeit um 950 v. Chr.. (1. Mose Kapitel 2, Verse 5 ff)
Etwa 400 Jahre später entstand der erste, jüngere Schöpfungsbericht, mit dessen Worten auch die Bibel beginnt:
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
1. Mose 1,1
Hier erschafft Gott die Welt und die Lebewesen durch sein Wort, so auch den Menschen. Im Gegensatz zu dem älteren Bericht ist hier die Erde bereits von Pflanzen und Tieren bewohnt, bevor der Mensch erscheint.
Die Verfasser der beiden biblischen Berichte waren auf ihr Wissen in ihrer jeweiligen Zeit angewiesen und sie versuchten zu erklären, wie die Erde und die Lebewesen entstanden sein könnten; Naturwissenschaften im neuzeitlichen Sinn gab es nicht. Eines allerdings verbindet die Berichte: Sie gehen davon aus, dass Gott der Schöpfer ist. Die Glaubensaussage beider Texte besagt, dass der Mensch, sowie Tiere und Pflanzen Geschöpfe Gottes sind, dass sie von Gott gewollt sind. Dabei ist dem Menschen eine einzigartige Sonderstellung zu eigen. Als Ebenbild Gottes hat der Mensch die Aufgabe, mit seinen Mitgeschöpfen, den Tieren und Pflanzen, verantwortlich umzugehen.

Movecast zu BIBELVERSTÄNDNIS UND ALLVERSÖHNUNG (Bild anklicken)