Love wins / Die Liebe wird siegen

Vorwort

Jeder von uns ist ein Geschöpf Gottes. Im poetischen Schöpfungsbericht der Bibel werden wir Ebenbilder Gottes genannt. Das bedeutet, in uns sind Eigenschaften eingepflanzt, die gottähnlich sind. Gott ist ein ewiger Gott. Deshalb tragen wir das «Ewigkeitsbewusstsein» in uns. Es gehört zur DNA jedes Menschen. Es gibt noch mehr solcher Eigenschaften, die sich oftmals in Sehnsüchten und Wünschen ausdrücken. Beispiele sind: Die tiefe Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Die tiefe Sehnsucht nach Liebe. Die tiefe Sehnsucht nach etwas Höherem.

Auf meiner Lebens- und Glaubensreise haben mich stets Bücher begleitet. Viele davon prägen mein Denken. Im Verlaufe meiner Glaubensreise habe ich auch Hunderte von Predigten und Vorträge gehört. Sie prägen mein Denken. Egal, ob ich den Inhalten dieser Vorträge zustimme, oder ob ich ihnen innerlich widerspreche. – Sie prägen mich. Im nachfolgenden Beitrag hat mich besonders das Buch «Love wins» von Rob Bell inspiriert. Leider ist die deutsche Übersetzung mit dem Titel «Das letzte Wort hat die Liebe» vergriffen und wird nicht mehr nachgedruckt.

Nach über 40 Jahren bewusstem Leben als Christ habe ich folgende Einsicht gewonnen:
Sehr viele Menschen- mittlerweile glaube ich sogar - alle - werden am Ende der von Gott festgesetzten Zeit als erlöste und glückliche Geschöpfe Gott anbeten. Auch dann, wenn sie dies auf dieser Welt nicht getan haben.
Weil Gott die Menschen liebt und er zugleich allmächtig ist, zweifle ich keinen Moment daran, dass er nicht zu seinem Ziel kommen wird.

Das in der Bibel beschriebene Erlösungs-Geschenk hat Gott und sein Sohn Jesus Christus für alle Menschen geplant, geschaffen, sichtbar angefangen und er wird es auch vollenden. Dies unabhängig davon, ob wir Menschen es schon auf dieser Welt annehmen, oder nicht.

Dieses Erlösungsgeschenk - mündlich weitergegeben, später aufgeschrieben und nochmals später als "Heilige Schrift" der Bibel zugefügt - wurde leider schon seit es den Menschen bekannt gemacht wurde - missbraucht. Es wurde missbraucht, um Macht auszuüben, zur persönlichen Bereicherung, um sich selbst als etwas Besonderes darzustellen, um sich Menschen mittels Angst gefügig zu machen. Es gibt noch mehr Gründe für diesen Missbrauch.

Dazu kommen auch noch die Missverständnisse. Fehlinterpretationen von Texten, Übersetzungsfehler, Vermischung von Tradition und Theologie.

Zu der falschen, missverstandenen und missbräuchlichen Höllenlehre schreibt Rob Bell sinngemäss: Diesen Beitrag schreibe ich für all jene Menschen, die nicht glauben können und nicht glauben wollen, dass Milliarden von Menschen von einem liebenden Gott für ewig gequält werden, wenn sie nicht so glauben, wie es viele selbsternannte und auch offizielle Geistliche vorgeben.
Glaube mir, du bist nicht allein. Es gibt viel mehr davon, als du vielleicht denkst.

Zu vielen von uns wurde eingeimpft, dass nur wenige der Milliarden von Menschen, die je über diese Erde gegangen sind, gerettet werden. Der grosse Rest wird ewig verloren sein. Vielen wurde vermittelt, dass diese grausame Tatsache eine wichtige Kernwahrheit des Evangeliums sei. Wer diese ablehne, lehne damit auch Jesus ab und sei damit ein Irrlehrer und Verführer der wahren Gemeinde Jesu.

Wundert es daher, dass viele Menschen die rettende Botschaft der Erlösung ablehnen? Wundert es, dass viele Menschen diese Drohbotschaft nicht in Einklang bringen können mit dem liebenden Gott? Sie fragen sich zu Recht, wie so eine Drohbotschaft mit der Botschaft von Liebe, Frieden, Vergebung, Freude und Hoffnung in Einklang zu bringen ist.

Alles, was du in diesem Beitrag liest, ist nichts "neues unter der Sonne", wie man so schön sagt. Es wird hier keine neue Lehre dargeboten. Alles wurde bestimmt schon viele Male gesagt und geschrieben.

Drinnen oder Draussen

Rob Bell schildert in seinem Buch «Love wins» nachfolgende Begebenheit: Vor einigen Jahren hatten wir in unserer Kirche eine Kunstausstellung. Ich hielt eine Vortragsreihe über Friedenstiften. Wir baten einige Künstler, Gemälde, Gedichte und Skulpturen zu präsentieren. Diese Werke sollen vermitteln, was es für sie heisst, Friedensstifter zu sein. Eine Künstlerin hatte in ihrem Werk ein Zitat von Ghandi eingebaut. Einigen Leute fanden das recht überzeugend. – Aber nicht alle. – Jemand klebte einen Zettel darauf mit den Worten: «Wacht auf. Er ist in der Hölle».

Rob Bell stellt im Weiteren Fragen wie: Wirklich? – Ghandi in der Hölle? Sind wir da ganz sicher? Weiss jemand das so genau? Ohne jeden Zweifel? Und jemand hatte entschieden, es sei unbedingt erforderlich, dass man das uns anderen mitteilen müsse? Ist das die heilige Berufung der Christen, zu verkündigen, dass es keine Hoffnung gibt?

Fragen dieser Art beschäftigen seit jeher Millionen von Menschen. Warum die anderen? Warum ich? Warum nicht ich? Zufall? Glück? Willkür?

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen? Wo würde ich hinkommen, wenn Gott für mich eine andere Wiege ausgewählt hätte? In einer anderen Familie? In einem anderen Land? In einer anderen Zeit?

Rob Bell: Wie kommt es, dass immer dann, wenn jemand behauptet, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen in Ordnung ist, gerettet und von Gott angenommen, - und alle anderen sind es nicht – gerade die Leute, die solches behaupten, immer auf der richtigen Seite sind? Hat man schon einmal gehört, dass ein paar wenige auserwählt sind, aber er selbst nicht dazu gehört?

Vor einiger Zeit kam ich in einem christlichen Buchladen mit einer Person zu sprechen. Unter anderem erzählte ich ihr von einem ehemaligen Schulkollegen. Dieser war mit seinem Auto bei einem unbewachten Bahnübergang vor einen Zug geraten und dabei ums Leben gekommen. Die erste Frage dieser Person war: «ist er (der ehemalige Schulkollege) gerettet gewesen?» Ich antwortete darauf (dummerweise) mit «Nein». Innerlich hatte ich aber schon lange die Überzeugung, dass letztendlich jeder Mensch gerettet wird. Doch ich wusste genau, wie diese Person, mit der ich gerade sprach, geprägt war. Nämlich von einem Denken, das ich manchmal als «Drinnen -draussen- Denken» bezeichne.

Dabei handelt es sich um ein Schema, das ich von Kind an kenne. Das Schema geht ungefähr so: (es gibt Varianten) «Wer sich in der von Gott bestimmten Zeit, die er auf dieser Welt zur Verfügung hat, bekehrt und sein Leben Jesus übergibt, wird für die Ewigkeit gerettet. Jeder Mensch hat dazu 2-3 Gelegenheiten in dieser Zeitspanne. Wer diese Gelegenheiten vorbei gehen lässt und sich nicht bekehrt, geht für ewig verloren».

Nun stand ich also dieser Person gegenüber und überlegte beim weiteren Gespräch, wie ich mein «Nein» zu ihrer gestellten Frage wieder korrigieren könnte. Leider fiel mir nichts ein und ich trennte mich einmal mehr von einem Menschen, mit dem ich so gerne meine frohe Hoffnung geteilt hätte.
So frage ich mich auch beim Schreiben dieses Beitrages, ob sich meine Mühe wirklich lohnt, oder ob ich nicht besseres zu tun hätte, als meine Meinung auf diese Weise kundzutun. Wird es sich nicht sowieso einmal weisen?

Öfters habe ich schon das Argument gehört, dass ich doch einfach darauf vertrauen soll, dass Gott gerecht ist. Er wird es schon richtig machen. Dem kann ich zustimmen. Trotzdem wehrt sich in mir etwas, wenn ich aufgefordert werde, diesen Teil der frohen Botschaft einfach wegzulassen. Die falsche Höllenlehre, wie ich sie auch nenne, schmälert eben nicht nur das in der Bibel beschriebene Erlösungsgeschenk von Gott an uns Menschen, - es schmälert auch die Attraktivität unserer christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Wir Christen möchten doch so gerne mehr Menschen für eine glückliche Lebens- und Glaubensreise gewinnen. Weshalb stehen wir uns denn dabei mit dieser grausamen und unbiblischen Höllenlehre so sehr im Wege?

Ich bin bei dieser Frage unter anderem zum Schluss gekommen, dass es dem Feind Gottes, dem Herrscher dieser Welt gefällt, wenn diese Lehre aufrecht erhalten bleibt. Seine Wirkungszeit wird durch das Erlösungsgeschenk von Gott ablaufen. Für ihn (dem Feind Gottes) ist es nämlich längerfristig vorbei. Sein Leid verursachendes Wirken hat ein Ende. Dieses Ende ist sichtbar eingeleitet worden bei der Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus.

Befreit von innerem Druck

Wenn diese Drinnen- Draussen- Lehre stimmen würde, müsste man sich fragen, ob es nicht ein Verbrechen wäre, Kinder auf die Welt zu bringen und sie aufzuziehen. Denn dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass sie ewig verloren gehen, enorm hoch. Können Eltern so lieblos sein und dann einfach sagen: "sie sind ja selber schuld! Sie hätten 2-3 Gelegenheiten gehabt, um sich zu bekehren." Wo wäre da die Liebe zu den Kindern?

Jesus wollte in vielen Gleichnissen und Reden verdeutlichen, dass er die Menschen liebt und sie nicht für ihre Fehler verurteilt. Er stellte Gott als einen liebenden Vater dar, der auch denjenigen nachgeht, die ihn nicht kennen und nicht nach seinen Geboten leben. Diese Botschaft stieß auf Widerstand bei den frommen Menschen seiner Zeit, die glaubten, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein mussten, um Gott zu gefallen.

Leider kennen viele Menschen, auch wenn sie sich Christen nennen den wirklichen Jesus nicht. Selbst dann nicht, wenn sie einmal ein Übergabegebet gesprochen haben, sich taufen liessen, oder sonst etwas getan, gesagt, oder gebetet haben, was ihnen die Hoffnung gab, nun dadurch ewiges Leben zu besitzen.
Ich schreibe dies nicht, weil ich diesen Menschen ihren Glauben, oder eben wie sie es manchmal mit anderen tun, das ewige Leben absprechen möchte. Das kann ich auch gar nicht. Jesus wird auch jene Menschen ans Ziel bringen und zu befreiten und glücklichen Geschöpfen machen.

Menschen, die sich Christen nennen, geben leider oftmals ein falsches, ein schlechtes, ein missverständliches Bild von Jesus ab. Einen Jesus, der fordert, der Druck ausübt. Einen Jesus, der niemandem eine Freude gönnt. Einen Jesus, der die Menschen von oben herab behandelt. Ich denke sogar, dass es
keinem Christen gelingt, immer ein positives Bild von Jesus abzugeben. Wir sind und bleibenauf dieser Welt: erlösungsbedürftige Menschen. Es ist daher gut, gibt es die Evangelien in der Bibel, welche uns ein abgerundetes Bild von Jesus geben.


Jesusvarianten

Rob Bell schreibt in Love wins: Als eine Frau unserer Kirche einen Bekannten zu einem Gottesdienst einlud, fragte dieser, ob das eine christliche Kirche sei. «Ja, ist sie» sagte sie. Er erzählte ihr dann davon, wie Christen in seinem Dorf in Osteuropa die ansässigen Muslime zusammengetrieben und in einem Gebäude eingesperrt hatten. Dann eröffneten sie mit Maschinenpistolen das Feuer und töteten alle. Er sei Moslem und habe kein Interesse daran, ihre Kirche zu besuchen.

Geht es um diesen Jesus?

Oder denk an all die, die Christus nur aus amerikanischen Privatsendern, oder von Demonstrationen kennen und deshalb annehmen, Jesus sei gegen Wissenschaft und gegen Homosexuelle. Er stehe mit dem Megafon in der Fussgängerzone und sage den Leuten, dass sie geradewegs auf die ewige Verdammnis zusteuerten.

Geht es um solche Jesustypen?

Kennst du jemanden, der in einer christlichen Kirche oder Gemeinschaft aufgewachsen ist, aber wegblieb, als er älter wurde? Oft sorgen sich Eltern, Pfarrer, Geschwister und Kirchenmitglieder um solche Menschen. Und oft ist diese Sorge ganz berechtigt. Aber es könnte Fälle geben, in denen es ein Zeichen von geistlicher Gesundheit ist, dass jemand die Kirche und den Glauben, der ihm als einzige Form, Jesus zu folgen, dargestellt wurde, ablehnt. Jemand könnte sich Verhaltensweisen, Interpretationen und Haltungen verweigern, die man zu Recht ablehnen sollte.
Vielleicht kam jemand an den Punkt, an dem er es ablehnte, genau das zu akzeptieren, was auch Jesus nicht akzeptieren würde.

Es gibt einige Jesusvarianten, die in der Tat abgelehnt werden sollten.

Viele Christen tragen den aufrichtigen Wunsch in sich, zu einer Gemeinschaft zu gehören, in denen sie sich zu Hause fühlen. Es ist schön, dass es abertausende Menschen gibt, die sich in einer Kirche, Gemeinde, oder wie man christliche Organisationen und Gemeinschaften auch immer nennt - geborgen wissen. Viele Menschen haben in solchen Gemeinschaften eine neue Familie gefunden. Sie haben Freunde gefunden. Auch wenn es in solchen Gemeinschaften manchmal Streit, Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten gibt, halten Menschen treu zu ihr.

Ein grosser Teil der biblischen Schriften des sogenannten "Neuen Testamentes" ist an solche Gemeinschaften gerichtet. Es gab schon bei den ersten Christen, im ersten Jahrhundert, nebst fröhlicher Gemeinschaft, auch Streit über alles Mögliche. Es gab unterschiedliche theologische Ansichten, soziale Herkünfte, Führungsstile und dergleichen. Trotzdem hat sich die Lehre vom Reich Gottes von Jesus Christus weltweit verbreitet. Es ist eine Kultur daraus entstanden, die vorher nie da war.

Solche Gemeinschaften und ihre einzelnen Mitglieder können noch heute einen Jesus verkörpern, an den man gerne glaubt.

Wie aber schon erwähnt, sind bei weitem nicht alle christlichen Gemeinschaften im Sinne von Jesus geprägt. Leider ist zu oft Macht, Druck und Manipulation im Spiel. Oder eben auch eine angstmachende Verkündigung des Evangeliums. Da ist besonders die falsche Höllenlehre eines der traurigen Kapitel in der Kirchengeschichte.

Suggestionen

Leider bedienen sich nicht wenige christliche Gemeinschaften der Suggestion.

Hier ein paar Erklärungen (aus dem Internet) zu dem Begriff «Suggestion»:

-Bezeichnung für eine starke Beeinflussung des Denkens, Fühlens, Wollens und Handelns einer Person, wobei der Betroffene dazu gebracht wird, unkritisch Gedanken, Gefühle, Vorstellungen und Wahrnehmungen einer anderen Person zu übernehmen.

-Der Begriff Suggestion wurde im 17./18. Jahrhundert eingeführt und bezeichnet die manipulative Beeinflussung einer Vorstellung oder Empfindung mit der Folge, dass die Manipulation nicht wahrgenommen wird oder zumindest zeitweise für das Bewusstsein nicht abrufbereit ist.

Nachfolgend zwei Suggestionen, die in Bezug zur Höllenlehre angewendet werden. In gewissen Gemeinschaften wird suggeriert, dass wer nicht getauft, gesalbt, gefirmt usw. ist, verloren geht. Der Begriff "Verloren" wird in der Bibel tatsächlich verwendet. Auch Jesus gebraucht ihn. Aber dies hat nichts mit ewiger Qual zu tun!
In gewissen christlichen Gemeinschaften wird suggeriert, dass wer nicht eine persönliche Beziehung zu Jesus habe, ewig verloren geht.

An dieser Stelle muss ich einfach die Bibel zitieren! Dabei gehe ich davon aus, dass dir diese Geschichten einigermassen bekannt sind. (Sonst, nachlesen)

Es fasziniert mich, wie in den nachfolgenden Geschichten der Bibel so zahlreiche Varianten ersichtlich sind, wie man zum Glauben und zur Errettung kommen kann.

Ist bei den nachfolgenden Beispielen EIN EINZIG GÜLTIGES Schema ersichtlich: ja, oder nein?

(Wir Menschen lieben und brauchen Schemas. Diese geben uns Sicherheit. Ein Schema kann zu einer Tradition werden. Dies ist grundsätzlich nicht schlecht. Ein Schema, oder eine Tradition können uns jedoch auch einengen.
Das Lexikon beschreibt Schemas so:
Es handelt sich um eine bestimmte Ordnung. Einen festgelegten Plan. Einen bestimmten Ablauf. Um ein Konzept eines Sachverhalts, nach dem sich jemand bei der Beurteilung und Ausführung von etwas richtet.)

Nachfolgend fasse ich Begebenheiten aus der Bibel, genauer gesagt, aus dem neuen Testament, zusammen. Zuerst erwähne ich die Bibelstelle, dann kommt die Zusammenfassung. Gerne kannst du den ganzen Text in der Bibel nachlesen. Findest du in all diesen Beschreibungen ein Schema? So nach der Art: «Taufe, Firmung, letzte Salbung, = Rettung»? Oder: «Bekehrung, Taufe, Geistestaufe = Rettung»?

Lukas 7, 36 -50

Jesus und seine Jünger waren bei einem Pharisäer eingeladen zum Essen. Eine Frau, die Lukas eine Sünderin nennt, platzt ungebeten in diese Abendgesellschaft hinein. Sie giesst ein äusserst wertvolles Öl über die Füsse von Jesus. Dies löst bei den Anwesenden eine Diskussion aus. Jesus sagt zu der Frau: Dir ist deine Schuld vergeben.

Lukas 18, 9 – 14

Ein Pharisäer und ein Zöllner beten im Tempel zu ihrem Gott. Das Gebet des frommen Pharisäers ist selbstgerecht. Das Gebet des sündigen Zolleinnehmers ist schuldbewusst. Jesus sagt: Der Zöllner wird von seiner Schuld befreit. Der Pharisäer nicht.

Lukas 23, 39 – 43

Ein Verbrecher, welcher zur gleichen Zeit an einem Kreuz neben Jesus gekreuzigt wird, bittet ihn, dass er an ihn denken solle, wenn er im Paradies angekommen sei. Jesus antwortete: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Johannes 3, 1- 36

Jesus beantwortet dem Schriftgelehrten Nikodemus einige Fragen. Im Weiteren macht er Aussagen, die Nikodemus nicht versteht. So spricht er über Wiedergeburt, den Heiligen Geist, die eherne Schlange und das Gericht. Der Schluss-Satz dieses Gespräches von Jesus lautet: Wer aber Gott gehorcht, der tritt in das Licht. Es zeigt sich dann, dass er sein Leben nach dem Willen Gottes führt.

Matthäus 6, 5 – 15

Jesus spricht zu seinen Jüngern über das Gebet. Er lehrt sie, was und wie sie beten sollen. Im Schluss-Satz zu dieser "Gebetsanweisung" sagt er: "Euer Vater im Himmel wird euch vergeben, wenn ihr den Menschen vergebt."

Lukas 19, 1 – 10

Jesus lädt sich und seine Jünger beim Zöllner Zachäus ein. Der Zolleinnehmer verspricht, seinen sich zu Unrecht angeeigneten Reichtum mit den Armen zu teilen. Ebenso will er den von ihm bestohlenen Menschen vierfach zurückgeben, was er ihnen genommen hat. Jesus sagt zu ihm: Heute ist ein grosser Tag für dich und deine Familie. Denn Gott hat euch heute als seine Kinder angenommen.

Apostelgeschichte 9, 1 – 15

Saulus, ein fanatischer Christenverfolger, ist unterwegs nach Damaskus, um dort Nachfolger von Jesus zu ermorden. Da begegnet ihm Jesus in einer Erscheinung. Paulus wird augenblicklich blind. Er bekommt von Jesus Anweisungen. Paulus akzeptiert diese widerspruchslos. Jesus begegnet auch dem in Damaskus lebenden Christen Ananias. Er bekommt den Auftrag, zu Saulus zu gehen. Ananias hat Angst. Jesus sagt zu ihm: Ich habe diesen Mann dazu auserwählt, allen Völkern und den Herrschern dieser Erde, aber auch den Israeliten meine Botschaft zu verkünden.

Es gäbe noch mehr Bibelstellen aufzuführen. Doch nochmals die Frage: Findest du in all den erwähnten Geschichten ein Schema, wie man "richtig glaubt, um gerettet zu sein"?

Wege
Rob Bell im O-Ton:

Dies ist eine Fotografie eines Gemäldes, das schon lange, bevor ich geboren wurde, im Haus meiner Grossmutter hing. In der Mitte des Bildes ist ein gewaltiges Kreuz zu erkennen. Es ist so gross, dass Menschen darüber gehen können. Es hängt im Raum, schwebt über einem unheilvollen rot-schwarzem Abgrund. Dieser wird jeden verschlingen, der einen falschen Schritt macht. Die Leute auf dem Bild gehen offensichtlich in eine bestimmte Richtung – in eine Stadt; eine leuchtende Stadt, helle Stadt, die von einer Mauer umgeben ist und ganz im Sonnenschein liegt…

Auch ich kenne solche Bilder aus meiner Kindheit. Sie haben auch bei mir damals einerseits grosse Ängste ausgelöst. Andererseits mich aber auch dazu motiviert, selber über solche Themen nachzudenken.

Das oben gezeigte Bild vom Kreuz über dem Abgrund empfinde ich noch einigermassen "erträglich". Da gibt es noch andere. Ich erinnere mich an ein Bild, das den schmalen und den breiten Weg abbildet. Auf dem schmalen Weg, der himmelwärts führt, sind wenige Menschen unterwegs. In Einerkolonne. Auf dem Breiten Weg, der direkt zur Hölle führt sind ganz viele Menschen unterwegs. Man sieht sogar, wie einzelne schon in die Tiefe falle, weil sie zu nahe am Wegrand gehen.

Was diese Bilder alle gemeinsam haben, ist: sie machen ANGST.

Ist dies wirklich das biblische Bild vom nächsten Zeitabschnitt? Sieht so die Ewigkeit aus? Das, was dort oben und was dort unten ist? Ganz weit weg von unserer Welt?

Noch mehr als die Frage, wie es in der zukünftigen Zeit wohl aussehen wird, beschäftigen sich nicht wenige Christen aber damit, zu urteilen, wer wohin und wer in welche Richtung geht. Ich habe als junger Christ in meinem damaligen Geschäft einen vorgedruckten Aufkleber in meinem Arbeitsraum angebracht. Dort stand drauf: «Wo wirst du die Ewigkeit verbringen»? Damals glaubte ich, dass dieser Spruch, meine Kolleginnen und Kollegen zum Nachdenken über den Glauben bringen könnte. Heute schäme ich mich für mein damaliges Handeln. Es war absolut unnötig. Schon der Begriff «Ewigkeit» ist in nach übereinstimmenden theologischen Erkenntnissen, in vielen Bibelstellen schlichtweg falsch übersetzt. Richtig übersetzt müsste es an den meisten Stellen Äon (Zeitabschnitt) heissen.

Fragen und Antworten

Es gibt Witze über Himmel und Hölle. Diese sind manchmal lustig. Sie beginnen meistens etwa so: « Da steht der und der vor der Himmelstüre und will hinein. Petrus fragt ihn….» Und es gibt Kabarett- Stücke in denen Harfen, Wolken, weisse Gewänder und dergleichen vorkommen.

Rob Bell: Viele ernsthaft gemeinte Fragen haben oftmals eine Gemeinsamkeit: Niemand kann sich so richtig vorstellen, was man denn im Himmel wohl tun wird. Sport, Kunst, Arbeiten, Musikmachen? Eine ganze Ewigkeit lange? Werden wir dort Leute wiedererkennen? Wie sieht es mit Tieren aus?

Zu diesen Fragen gibt es Antworten wie: Es wird alles ganz anders sein. So wie ein Gottesdienst, der nie aufhört.

Wirklich?

Wie schon erwähnt, interessiert es viele aber viel mehr, wer denn dort sein wird und wer nicht.

Da gibt es diese Frau, die tränenüberströmt im Gottesdienst sitzt, weil sie sich vorstellt, dass sie ihre Schwester wiedersehen wird, die vor 17 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. Und gleichzeitig erkennt die Frau neben ihr, dass, falls das, was der Pastor über den Himmel sagt, stimmt, sie von ihren Eltern und Geschwistern, Verwandten und Freunden für immer getrennt sein wird. Und es keine Möglichkeit irgendeines Wiedersehens geben wird. Niemals mehr. Und ihr laufen die Tränen ebenfalls über das Gesicht. Aber es sind ganz andere Tränen.

Als sie später den Pastor fragt, ob es wahr sei, dass niemand aus ihrer Familie dort sein würde, weil sie keine Christen seien, wird ihr gesagt, es werde ihr so grosse Freude machen, Gott anzubeten, dass diese Frage für sie keine Rolle spielen würde. Was ziemlich beunruhigend und verwirrend ist, weil die Menschen, die sie in der Welt am meisten liebt, für sie sehr wohl eine Rolle spielen.

Gibt es andere Möglichkeiten, sich den Himmel vorzustellen, andere als die vollkommene goldglänzende Stadt, die irgendwo anders in der Luft schwebt? Über einem unheilvollen rot-schwarzen Bereich mit Rauch und Qualm und einem endlos lodernden Feuer? Ich behaupte: «Ja, die gibt es.»

Im biblischen Buch der Offenbarung des Johannes steht, dass Gott eine neue Erde schaffen wird. Dies, nachdem die alte Erde kaputt ging. Auf diese neue Erde kommt eine riesige Stadt herab. Diese wird von Gott, seinem Sohn Jesus (und ich gehe davon aus, auch von Engeln) jetzt schon vorbereitet. In dieser zukünftigen Stadt lebt Gott mit den Menschen zusammen. Die Stadt ist riesig und hat genügend Platz. In dieser Stadt leben die Ausgewählten Gottes. Explizit erwähnt werden die Menschen, welche auf dieser Erde schon an Jesus Christus geglaubt haben und mitgeholfen haben, sein Reich zu bauen. Auch wird erwähnt, dass Märtyrer und auf dieser Welt Verfolgte zu den Auserwählten gehören, die diese Stadt besiedeln. Dies werden insgesamt Millionen von Menschen sein. Rund um diese Stadt leben viele Völker. Die Menschen dieser Völker haben jederzeit Zugang zu dieser von Gott erbauten Stadt. Die Bibel nennt sie das neue Jerusalem.

Ich habe zu den Ausführungen zum in der Bibel beschriebenem neuen Jerusalem schon die Meinung gehört, dass dies höchst symbolisch sei. Dies sogar von Mitchristen, die der Theologie der sogenannten "Wort -für Wort - Einhauchung" nahe stehen. Meine Meinung dazu: wenn dieser Bibelabschnitt höchst symbolisch sein sollte, was ist dann mit der Welt, dem Weltall, mit den Menschen? Sind wir nur symbolisch? Mein Fazit dazu: So wie Gott dies alles geschaffen hat, traue ich ihm auch zu, dass er dies nochmals tun kann. So viele Male er will. Und wie immer er es will. Der liebende Gott ist allmächtig und wird seine Ziele erreichen.